{"id":150,"date":"2026-05-05T21:14:53","date_gmt":"2026-05-05T21:14:53","guid":{"rendered":"https:\/\/muzikquest.de\/?p=150"},"modified":"2026-05-05T21:14:55","modified_gmt":"2026-05-05T21:14:55","slug":"legendaere-rocknroll-hotels-drogen-dramen-und-idole","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/muzikquest.de\/index.php\/2026\/05\/05\/legendaere-rocknroll-hotels-drogen-dramen-und-idole\/","title":{"rendered":"Legend\u00e4re Rock&#8217;n&#8217;Roll Hotels: Drogen, Dramen und Idole"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer ein echter Rock&#8217;n&#8217;Roll-Star sein will, der l\u00e4sst es krachen. Da geht auch schon mal das Mobiliar des Hotelzimmers zu Bruch &#8211; oder Fernseher lernen zu \ufb02iegen wie bei Keith Richards Besuch im legend\u00e4ren Hyatt On Sunset. Einige Hotels auf beiden Seiten des Atlantiks sind im Verlauf der letzten Jahrzehnte deshalb selbst zu Rock&#8217;n&#8217;Roll- Legenden geworden. Die nachfolgende Geschichte wurde urspr\u00fcnglich am 17.4.2007 im SPIEGEL ver\u00f6ffentlicht. Die Hotels existieren noch, wer also nach Ideen f\u00fcr den n\u00e4chsten Urlaub sucht, hier sind einige:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-6c531013 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<p>&#8222;Ich h\u00e4tte gern Zimmer 1015.&#8220; Die junge Dame an der Rezeption des Hyatt On Sunset in Hollywood l\u00e4chelt mich<br>fr\u00f6hlich an, bewegt die Maus ein wenig, schaut fl\u00fcchtig auf den Computerbildschirm und sagt dann immer noch fr\u00f6hlich: &#8222;Nix zu machen, das Zimmer ist schon vergeben.&#8220; Schade, h\u00e4tte was gehabt. Immerhin ist das das Zimmer, durch dessen Fenster einst Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards einen Fernseher auf die Stra\u00dfe gepfeffert hatte. Ein Beispiel, dem wenig sp\u00e4ter im selben Hotel sein Landsmann Keith Moon von The Who folgte.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"340\" height=\"390\" src=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Keith_Richards_1973.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-155\" srcset=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Keith_Richards_1973.jpeg 340w, https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Keith_Richards_1973-262x300.jpeg 262w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">By Dina Regine &#8211; This file was derived from: <a title=\"File:Keith-Richards and guitar.jpg\" href=\"\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Keith-Richards_and_guitar.jpg\">Keith-Richards and guitar.jpg<\/a>, <a title=\"Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0\">CC BY-SA 2.0<\/a>, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=159942747\">Link<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aber im Hyatt ist es eigentlich egal, in welchem Zimmer man unterkommt, weil in so ziemlich jedem irgendwann schon einmal ein Rockstar gen\u00e4chtigt und gefeiert und randaliert hat. Das Hyatt am Sunset Boulevard ist eben ein Rock&#8217;n&#8217;Roll-Hotel. Mehr noch, es ist der Prototyp des Rock&#8217;n&#8217;Roll-Hotels. Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Hyatt kaum von anderen h\u00f6herklassiges Kettenhotels. Das Interieur ist gediegen zeitgem\u00e4\u00df, und das elegante CHI-Restaurant, dessen Miteigent\u00fcmer ein gewisser Justin Timberlake ist, ist eins der besten von Los Angeles. Gebaut wurde das Hotel 1958 und war urspr\u00fcnglich nach dem singenden Hollywood-Cowboy Gene Autrey benannt, bevor es 1966 an die Hyatt-Gruppe verkauft wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ber\u00fchmt und ber\u00fcchtigt geworden aber ist es als das Riot House. Es war das Einfallstor der britischen Popinvasion der Sechziger und Siebziger und hat so ziemlich jede Rockgruppe dieses Planeten beherbergt, die auch nur halbwegs auf sich h\u00e4lt. Doors-S\u00e4nger Jim Morrison hat hier eine Weile als Dauergast gelebt, w\u00e4hrend Led Zeppelin f\u00fcr ihre Aufenthalte gleich ganze Etagen angemietet und auf diesen dann wilde Partys gefeiert hatten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Besonderer Service f\u00fcr die Rocker<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Rockmusiker sind die moderne Variante der fahrenden Musikanten fr\u00fcherer Jahrhunderte. Jeden Tag steht eine neue Stadt auf dem Programm, ein anderes Land und nicht selten gar ein anderer Kontinent. Konzerte \ufb01nden in den Abendstunden statt und enden manchmal erst in den fr\u00fchen Morgenstunden. Nach dem Konzert sind sie noch bis unter die Haarspitzen voll mit Adrenalin, m\u00fcssen erst langsam wieder runterkommen, wollen essen, trinken, ein bisschen feiern. Entsprechend die Anforderungen an die Hotels, in denen sie absteigen. Die Bar zum Beispiel sollte schon noch ge\u00f6ffnet sein und ebenso die K\u00fcche.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Londoner Columbia Hotel ist nicht zuletzt wegen seiner Bar die bekannteste Rock&#8217;n&#8217;Roll-Herberge der britischen Hauptstadt geworden. Die Bar hatte selbst in den schlechten alten Tagen, als auf den Inseln nach 23 Uhr gar nichts mehr lief \u0096 und schon gar nicht die Zapfh\u00e4hne \u0096, bis um 2, 3 oder gar 4 Uhr morgens an Hotelg\u00e4ste Alkohol ausgeschenkt. Was das Columbia, dessen leicht heruntergekommener imperialer Schick einen melancholischen Charme ausstr\u00f6mt, zur ersten Adresse f\u00fcr fahrende Musiker aus aller Herren L\u00e4nder machte. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Columbia im \u00dcbrigen ein lukratives Gesch\u00e4ft, da f\u00fcr fahrende Musiker Hotels auch Inseln der Vertrautheit in der Fremde sind, sie also immer gerne wiederkommen, wenn&#8217;s ihnen einmal gefallen hat. So ganz nebenbei ist der Mythos, der jedes Rock&#8217;n&#8217;Roll-Hotel umgibt, zudem gut f\u00fcrs touristische Alltagsgesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche Musiker widmen  ihren Lieblingshotels Lieder oder ganze Schallplatten, wie Extrabreit dem Hamburger Hotel Monopol, in dem ebenfalls schon seit Jahrzehnten Rocker aus aller Welt absteigen. Durch ein Lied von den Eagles weltber\u00fchmt wurde das Hotel California. Ausgerechnet dieses Hotel allerdings hat nie existiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rock&#8217;n&#8217;Roll-Hotel auch in Moskau<\/h2>\n\n\n\n<p>Klassische Rock&#8217;n&#8217;Roll-Hotels \ufb01nden sich in vielen Gro\u00dfst\u00e4dten. Im amerikanischen Seattle ist es das direkt ans<br>Wasser des Seattle Sound gebaute Edgewater Inn, in dem Jimi Hendrix einst imEin anderes Hyatt Hotel hat sich ebenfalls einen weltweiten Ruf als ausgemachtes Rock&#8217;n&#8217;Roll-Hotel erworben. Es liegt in K\u00f6ln, auf der anderen Rheinseite, genau gegen\u00fcber dem Dom, und war w\u00e4hrend der Jahre, in denen in K\u00f6ln die Musikmesse PopKomm stattfand, der zentrale Anlauf- und \u00dcbernachtungspunkt f\u00fcr Musiker, Platten\ufb01rmenleute, Manager, Medien und Fans. Das Hyatt ist freilich nicht das einzige Rock&#8217;n&#8217;Roll-Hotel der Domstadt. Vor allem unter englischen und amerikanischen Musikern beliebt ist auch das Hotel Chelsea, in dem an jedem xbeliebigen Wochentag mindestens eine Band, ein paar Maler und der eine oder andere Schauspieler zu Gast sind. Um ein Zitat aus der &#8222;New York Times&#8220; auf K\u00f6ln zu \u00fcbertragen: Das Chelsea ist einer der wenigen zivilisierten Orte in K\u00f6ln.mer dann lebte, wenn er seine Familie und seine Freunde in der Stadt besuchte. Im Edgewater Inn haben auch die Beatles oft gen\u00e4chtigt, stets im selben Zimmer, und die Nirvana-Mitglieder der Weltpresse Interviews gegeben. Und Led Zeppelin haben sich nat\u00fcrlich auch im Edgewater Inn daneben benommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu eher traurigem Ruhm ist das New Yorker Chelsea gekommen, in dem die melodramatische Junkie-<br>Liebesgeschichte zwischen Sex-Pistols-Bassist Sid Vicious und seiner Freundin Nancy ein t\u00f6dliches Ende fand: Neben dem unter Drogen stehenden Sid fand man Nancy erstochen auf. Kurze Zeit sp\u00e4ter starb auch Sid, an einer \u00dcberdosis. Doch schon lange vor Sid und Nancy war das Chelsea ein Hotel, in dem bevorzugt K\u00fcnstler, Freigeister und Rock&#8217;n&#8217;Roller einkehrten. F\u00fcr die &#8222;New York Times&#8220; ist es schlicht einer der wenigen zivilisierten Orte in New York, eben weil in seinen Zimmern mit den hohen Decken ein Hauch von Freiheit und geistiger Unabh\u00e4ngigkeit zu sp\u00fcren ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"534\" height=\"366\" src=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Bon-Jovi-Moscow-1989.png\" alt=\"Bon Jovi, Moscow Music Peace Festival\" class=\"wp-image-153\" srcset=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Bon-Jovi-Moscow-1989.png 534w, https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Bon-Jovi-Moscow-1989-300x206.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 534px) 100vw, 534px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das erste Moskauer Hotel, das Erfahrungen mit westlicher Rockkultur machte, war das inzwischen leider abgerissene Rossija. Das war zu Zeiten, in denen beim Besuch von amerikanischen Rockstars wie Bon Jovi die Beh\u00f6rden noch kurzerhand die Stra\u00dfe vom Moskauer Flughafen zum Hotel Rossija auf voller L\u00e4nge f\u00fcr den Verkehr sperrten und die Musiker in Luxuslimousinen, eskortiert von mehreren Polizeiautos, direkt zum Hotel fuhren. Als die Sowjetunion sich ihrem Ende n\u00e4herte, fand im Moskauer Olympia-Stadion im Sommer 1989 das Moscow Music &amp; Peace Festival statt, auf dem neben den bereits erw\u00e4hnten Bon Jovi als andere westliche Gruppen auch M\u00f6tley Cr\u00fce, Ozzy Osbourne, Skid Row, Cinderella und die Scorpions aufspielten. Animiert von der hoffnungsvollen Atmosph\u00e4re im Herzen der sich rasant und radikal ver\u00e4ndernden Supermacht schrieb Klaus Meine hier den sp\u00e4teren Welthit Wind of Change. Offiziell war das Moscow Music &amp; Peace Festival auch ein Anti-Drogen- Festival und die auftretenden Musiker hatten sich daher f\u00fcr die Dauer des Festivals zur Abstinenz verpflichtet. Sp\u00e4ter an der Hotelbar waren die Aufrufe zur Abstinenz allerdings schon l\u00e4ngst wieder vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wind of Change ist mittlerweile zum Sturm ausgewachsen und sp\u00e4testens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist Moskau kein Reiseziel f\u00fcr tourende westliche Rockmusiker mehr.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Einer der weniger zivilisierten Orte&#8220; in K\u00f6ln<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein anderes Hyatt Hotel hat sich ebenfalls einen weltweiten Ruf als ausgemachtes Rock&#8217;n&#8217;Roll-Hotel erworben. Es liegt in K\u00f6ln, auf der anderen Rheinseite, genau gegen\u00fcber dem Dom, und war w\u00e4hrend der Jahre, in denen in K\u00f6ln die Musikmesse PopKomm stattfand, der zentrale Anlauf- und \u00dcbernachtungspunkt f\u00fcr Musiker, Platten\ufb01rmenleute, Manager, Medien und Fans. Das Hyatt ist freilich nicht das einzige Rock&#8217;n&#8217;Roll-Hotel der Domstadt. Vor allem unter englischen und amerikanischen Musikern beliebt ist auch das Hotel Chelsea, in dem an jedem xbeliebigen Wochentag mindestens eine Band, ein paar Maler und der eine oder andere Schauspieler zu Gast sind. Um ein Zitat aus der &#8222;New York Times&#8220; auf K\u00f6ln zu \u00fcbertragen: Das Chelsea ist einer der wenigen zivilisierten Orte in K\u00f6ln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>C 2007 Edgar Kl\u00fcsener \/Erstabdruck in SPIEGEL ONLINE<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer ein echter Rock&#8217;n&#8217;Roll-Star sein will, der l\u00e4sst es krachen. Da geht auch schon mal das Mobiliar des Hotelzimmers zu Bruch &#8211; oder Fernseher lernen zu \ufb02iegen wie bei Keith Richards Besuch im legend\u00e4ren Hyatt On Sunset. 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