{"id":160,"date":"2026-05-13T21:19:57","date_gmt":"2026-05-13T21:19:57","guid":{"rendered":"https:\/\/muzikquest.de\/?p=160"},"modified":"2026-05-13T21:19:58","modified_gmt":"2026-05-13T21:19:58","slug":"wodka-kaviar-und-bon-jovi-moskauer-tage-und-naechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/muzikquest.de\/index.php\/2026\/05\/13\/wodka-kaviar-und-bon-jovi-moskauer-tage-und-naechte\/","title":{"rendered":"\u00a0Wodka, Kaviar und Bon Jovi&#8230; Moskauer Tage und N\u00e4chte&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p><br><strong>&nbsp;Wir schreiben das Jahr 1988. In der Sowjetunion hatten die Reformer um Mikhail Gorbatschow das Sagen und zum ersten Mal im ausgehenden 20. Jahrhundert \u00f6ffnete sich das riesige eurasische Reich gen Westen. Der Kalte Krieg wich milderer Konfrontation, und der &#8218;Wind of Change&#8216;, der durch Europa fegte, war auch an der Moskwa deutlich f\u00fchlbar. Tats\u00e4chlich sollte der Wind sich hier zu einem Sturm verst\u00e4rken, der die starren Fundamente Nachkriegs-Europas am Ende in Tr\u00fcmmer legte. In diesem Winter 1988 war Moskau auch offen f\u00fcr Popkultur aus dem Westen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>V\u00e4terchen Frost zeigte sich streng. Minus 15 Grad bescherte er den Moskauern und dazu jede Menge Schnee. Und das bereits Ende November, zu einer Zeit also, in der sich unser heimatliches Klima noch beharrlich weigert, die Temperaturen unter die magische Marke Null sinken zu lassen, uns h\u00f6chstens einmal in h\u00f6heren Lagen Schneeregen und morgendliches Glatteis beschert. Was mitteleurop\u00e4ischen Autofahrern jedoch durchaus schon als Grund reicht, ein bemerkenswertes Chaos auf Stra\u00dfen und Autobahnen anzurichten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Automobilisten In der zehn Millionen Einwohner z\u00e4hlenden Sowjet-Metropole beherrschen ihre Vehikel in jeder Schnee- und Eislage perfekt. Ein Blick auf den Tacho beweist es: Mit 80 Sachen prescht unser Fahrer \u00fcber eine Fahrbahn, die so spiegelglatt ist, wie sie aussieht, schleudert leicht in den Kurven, hat jedoch den Wagen in jeder Sekunde der Fahrt voll unter Kontrolle. Nicht unter Kontrolle ist dagegen der eigene Herzschlag, der st\u00e4ndig neue Spitzengeschwindigkeiten vorlegt, wenn der Fahrer mit hohem Tempo auf einen Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberweg zubraust, auf dem sich Scharen von Passanten bewegen. Bremsen ? Freilich, aber doch bittesch\u00f6n erst in letzter Sekunde. Es ist alles eine Frage der Gew\u00f6hnung \u2014 die Russen sind&#8217;s offensichtlich gewohnt. Die Passanten lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, der Chauffeur nicht, nur der Autor und Metal Hammer-Herausgeber J\u00fcrgen Wigginghaus st\u00f6hnen immer wieder gepeinigt auf und sind heilfroh, als die Fahrt am ihnen zugedachten Hotel endlich ihr Ende findet. Der Name der Unterkunft ist unaussprechlich, l\u00e4\u00dft sich aber, so versichert der uns f\u00fcr die Dauer unseres Aufenthaltes zugewiesene Schutzengel Sascha, bequem auf CeDeTe abk\u00fcrzen. Ansonsten ist das Hotel bemerkenswert gigantisch. 22 Stockwerke, mehrere Restaurants und Bars (die um 23.00 Uhr Ortszeit schlie\u00dfen), Swimming Pool (\u00fcberdacht nat\u00fcrlich) und ein professionelles Tonstudio beherbergt es ebenso wie diverse kleine L\u00e4den und Verkaufsst\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Trotzdem ist es keins von den besten Hotels der Stadt. Die befanden sich am Tage unserer Ankunft noch fest in den H\u00e4nden des franz\u00f6sischen Ministerpr\u00e4sidenten Mitterand und seiner Gefolgschaft, den Delegiertinnen des Frauenverbandes der KPdSU und anderer offizieller W\u00fcrdentr\u00e4ger und Amtsinhaber. Zum CeDeTe <br>geh\u00f6rt eine Konzerthalle, in welcher gelegentlich auch Rockbands, darunter, man h\u00f6re und staune, sogar sowjetische Speed- und Thrash-Kapellen auftreten. In der Hauptsache ist die \u00d6rtlichkeit jedoch Kongressen, Meetings und der eher seichten Muse vorbehalten. Doch immerhin stellt sich die Frage, welches westliche Hilton, Holiday Inn oder Ramada bereits einmal Slayer oder Kreator in seinen Hallen hat spielen lassen. Man stelle sich das nur mal vor: Destruction, Metallica und Anthrax als Special-Package im M\u00fcnchener Hilton! Was hatte Sascha noch gesagt? <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Dieses Land ist voller Seltsamkeiten und Widerspr\u00fcche!&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wohl wahr.<br>Das CeDeTe erf\u00fcllt also offensichtlich alle Anspr\u00fcche Doch nicht seinetwegen sind wir in die Metropole an der Moskwa gereist. Der Grund f\u00fcr den Ausflug in Eis und Schnee war vielmehr ein Besuch im Moskauer Musik-Center, das erste privatwirtschaftlich organisierte professionelle Musik, Veranstaltungs-, Produktions- und Managementunternehmen in der Geschichte der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sowjetunion\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">UdSSR<\/a>. <a href=\"https:\/\/osteuropa.lpb-bw.de\/glasnost-und-perestroika\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Glasnost<\/a> und Perestroika machten&#8217;s m\u00f6glich. <br>Sascha holt uns eine Stunde nach dem Einchecken wieder vom Hotel ab. Mit einem neuen Wagen und einem anderen Fahrer. Auf geht&#8217;s in den Gorki Park, idyllisch und tief verschneit am Ufer der Moskwa sich dahin streckend.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Knapp drei Kilometer des Parks sind von der Zivilisation erschlossen, bebaut und vielf\u00e4ltig genutzt. Die restlichen 5O Kilometer \u00fcberwuchert ein nat\u00fcrlicher Urwald&#8230;<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gorki Park Musik Center<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Erkl\u00e4rung beeindruckt ebenso wie die geschilderten Dimensionen. Das Musik-Center liegt Gott sei Dank im erschlossenen Teil des Parks, ist also mit dem Wagen bequem erreichbar. Und es hat ein Restaurant. Oder vielmehr eine Cafeteria, in der auch warme Mahlzeiten serviert werden. Es sind nur wenige Leute anwesend, eine kleine Gesellschaft also, die jedoch umso internationaler ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"323\" height=\"327\" src=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/docmcghee2010.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-272\" srcset=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/docmcghee2010.jpg 323w, https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/docmcghee2010-296x300.jpg 296w\" sizes=\"auto, (max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Doc_McGhee\">Doc McGhee <\/a>ist da, bekannt als Manager von Bon Jovi, den Scorpions, Cinderella und vieler anderer Majorbands.Bob Tulipan ist da, freier Promoter mit Offices in London und New York, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Stars des Bolschoi-Ballets mit denen der Leningrader Konkurrenz vom Kirov-Ballet zusammen auf Tour zu schicken.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem<strong> Dmitry V. Shavir<\/strong>in, Redakteur der Tageszeitung Moskovsky Komsomolets sowie der Pr\u00e4sident Dennis Berardi (seinen Vize hat er gleich auch noch mitgebracht) von Kramer-Guitars. Letztere beiden haben im \u00fcbrigen das Management der Gruppe Gorki Park, wir haben sie Mitte letzten Jahres bereits einmal vorgestellt, \u00fcbernommen. \u00c4hhhh, naja, und dann waren da noch einige ausgesprochene Sch\u00f6nheiten weiblichen Geschlechtes. Und zwar die letztj\u00e4hrige Miss Moskau, ihre Kollegin Miss Sibiria und, ebenso ansehnlich wie sch\u00fcchtern, Miss Asia.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen jungen Damen hat es eine besondere Bewandtnis: Sie alle n\u00e4mlich werden ebenfalls vom &#8218;Center&#8216; gemanaged. Womit sich zeigt, dass dessen Aktionsradius weit \u00fcber die schn\u00f6de Rockmusik hinausreicht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Amerika entdeckt anscheinend die Sowjetunion. Glasnost und Perestroika machen&#8217;s m\u00f6glich, da\u00df die Rockwelt West enger als bisher mit der Rockwelt Ost zusammenw\u00e4chst Die Rockwelt West, Sektion West-Germany (Plattenfirmen von WEA bis BMG Ariola), war \u00fcbrigens eine Woche nach diesem Treff in der Cafeteria des Musik-Centers erneut geschlossen in Moskau. Diesmal um der Livepr\u00e4sentation von rund 30 sowjetischen Metalbands beizuwohnen. Aber das nur am Rande.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-medium is-resized is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"278\" src=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Edgar-Klusener-Komsomolskaja-Prawda-1988-300x278.jpg\" alt=\"Und so sah das dann sp\u00e4ter in der Moskowsky Kosomolets aus.\" class=\"wp-image-271\" style=\"aspect-ratio:1.079131752518207;width:444px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Edgar-Klusener-Komsomolskaja-Prawda-1988-300x278.jpg 300w, https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Edgar-Klusener-Komsomolskaja-Prawda-1988-768x713.jpg 768w, https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Edgar-Klusener-Komsomolskaja-Prawda-1988.jpg 989w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Verlassen wir nun das Musik Center und schlendern wir zur\u00fcck ins Hotel CeDeTe. Dort l\u00e4uft gar nichts mehr, die Bar ist ebenso dicht wie die Souvenirshops. Nightlife auf sowjetisch? Nicht die Bohne, als Alternative bleibt nur das Bett.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem es am n\u00e4chsten Morgen recht zeitig wieder rausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dmitry Shavirin<\/strong> hat sich angesagt und will sein Interview mit dem Metal Hammer\/Crash. \u00dcber diese unsere Publikation, in der SU ebenso bekannt wie unerschwinglich (80 Rubel, das entspricht einem legalen Umtauschwert von 240 DM, ist der Schwarzmarktpreis f\u00fcr eine Ausgabe), soll in der <strong>Moskowsky Komsomolets<\/strong> (Auflage immerhin gut 1 Million Exemplare t\u00e4glich) eine gro\u00dfe Geschichte erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Interview dann Sightseeing. Soweit bei dem grautr\u00fcben Winterwetter, das drau\u00dfen das Bild bestimmt, von &#8218;Sehen&#8216; \u00fcberhaupt die Rede sein kann. Es schneit ununterbrochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sascha kommt &#8211; mit neuem Auto und neuem Chauffeur&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Sagmal, Sascha, wo bekommst Du eigentlich st\u00e4ndig die Fahrzeuge her?<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;I<em>ch stehle sie..<\/em>.&#8220; &#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Du machst waaaasss?!<\/em>&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Naja, stehlen ist vielleicht das falsche Wort. Ich leihe sie mir halt aus&#8230; Vom Peace Committee.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Das &#8218;Peace Committee&#8216; ist eine staatliche Organisation, die direkt dem ZK der KPdSU untersteht. Aufgabe des Komitees ist die Organisation und Durchf\u00fchrung aller m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Aktionen, die der Propagierung und der Sicherung des Friedens dienen. Das Komitee l\u00e4dt Delegationen ausl\u00e4ndischer Friedensgruppen ins Land, f\u00fchrt Tagungen und Kongresse durch, wirbt f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung ebenso wie f\u00fcr V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, stellt sich dabei auch schon mal gegen die eigene Regierung und gegen Armee und Partei und unterst\u00fctzt offen und versteckt die Aktivit\u00e4ten des Centers. F\u00fcr seine Zwecke, in diesem Fall Abr\u00fcstung, wirbt das Komitee auch schon mal mit ebenso anz\u00fcglichen wie griffigen Slogans. Make Love Not War ist so einer, bekannt von der amerikanischen B\u00fcrgerrechtsbewegung Ende der Sechziger, und Fuck For Peace ist ein anderer, doch bittesch\u00f6n jeder beherzigen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch immer, wenn Sascha nicht gerade Metal Hammer\/ Crash-Redakteure, -Herausgeber und \u00e4hnliche Leute auf Schritt und Tritt begleitet, dann arbeitet er als Dolmetscher und Betreuer ausl\u00e4ndischer Gruppen f\u00fcr das &#8218;Peace Committee&#8216;. Das wiederum unterh\u00e4lt einen eigenen Wagenpark (samt zugeh\u00f6riger Chauffeure), aus dem sich Sascha denn auch schamlos, obzwar nicht legal, f\u00fcr unsere Transportzwecke bedient Es folgt ein Abstecher in eins der riesigen Moskauer Kaufh\u00e4user. Deren Ausstattung l\u00e4\u00dft sich kaum an westlichen Standards messen, zu frisch ist noch Perestroika und zu schlecht noch die Versorgung mit Konsumartikeln, selbst in der Hauptstadt des Eurasischen Riesenreiches. Zumindest offiziell. Auf dem Schwarzmarkt ist die Situation wesentlich besser. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Auf dem schwarzen Markt kann man nahezu alles bekommen. Es gibt eine regelrechte Mafia, die den schwarzen Markt kontrolliert. Vor allem georgische Bauern verdienen sich dumm und d\u00e4mlich. Sie bringen nur einen Teil ihrer Erzeugnisse in den offiziellen Warenumschlag ein, der Rest versickert auf dem grauen und dem schwarzen Markt. Melonen zum Beispiel, legal in Moskau so gut wie garnicht zu bekommen, werden auf dem Schwarzmarkt zu horrenden Preisen gedealt. Bis zu 50 Rubel und mehr zahlt die Moskauer Hausfrau f\u00fcr eine Melone&#8230;<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Metal Hammer auf dem Schwarzmarkt<\/h2>\n\n\n\n<p>Vielmehr: die Hausfrau zahlt nicht, f\u00fcr sie ist die Melone schlicht unerschwinglich. Bezahlbar ist sie eigentlich nur f\u00fcr hohe Staatsbedienstete, f\u00fcr die neue Klasse der privaten Unternehmer und f\u00fcr andere finanziell Privilegierte. Wen wundert es da noch, da\u00df es in den fruchtbaren und klimatisch beg\u00fcnstigten Schwarzmeer-Regionen die meisten sozialistischen Million\u00e4re gibt?! Sascha jedenfalls erstaunt dieses Faktum nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Wir haben, erstmals in der Geschichte der Sowjetunion, Ankunftszeit und -ort von Bon Jovi \u00fcber die Tagespresse und \u00fcbers Moskauer Fernsehen bekanntgemacht. Am Flughafen wird also die H\u00f6lle los sein..<\/em>.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sascha grinst, als er uns dies mitteilt. Wir sind zur\u00fcck im Center, wo sich die Belegschaft aufmacht, Bon Jovi am Flughafen zu empfangen. Ein Autokonvoi wird zusammengestellt, bestehend aus Wolga &#8211; 12 &#8211; Zylinder-Limousinen, BMW&#8217;s und anderen standesgerechten Fahrzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Bis vor acht Tagen war Bon Jovi in der UdSSR kaum bekannt, weit weniger jedenfalls als Bands wie die Scorpions oder Metallica. Dann haben wir unsere Medienkampagne gestartet, und jetzt kennt jeder Fan von Sibirien bis Leningrad die Jungs aus New Jersey. Ich sch\u00e4tze, da\u00df am Flughafen trotz des miesen Wetters rund 7.000 Kids auflaufen werden&#8230;<\/em>&#8222;, erl\u00e4utert eine Mitarbeiterin des Centers.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Empfang also, wie er in unseren Breiten seit den seligen Zeiten der Beatles oder der Stones kaum noch einer Rockgruppe zuteil geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Autokonvoi setzt sich in Bewegung, vornweg ein Polizeiauto mit eingeschaltetem Blaulicht. Damit beginnt eine der der beeindruckendsten Fahrten, die alle Beteiligten je miterlebt haben. Als gelte es, einen hochrangigen Staatsmann, von woher auch immer, sicher durch Moskau zu eskortieren, haben Milizen auf einer L\u00e4nge von gut 30 Kilometern den Weg vom Center zum Flughafen, den der Konvoi nehmen sollte, durchweg f\u00fcr den normalen Feierabendverkehr gesperrt. Die Folge war ein riesiger Verkehrsstau, den die an solches offenbar gew\u00f6hnten Moskauer jedoch geduldig und mit Fassung trugen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie ist sowas m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie ist sowas m\u00f6glich?<\/h2>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Stas Namin<\/em>&#8222;, so erkl\u00e4rt Sascha, &#8220; <em>ist ein Mann mit sehr weitreichenden Beziehungen. Die gehen bis in die obersten Spitzen des Politb\u00fcros, erm\u00f6glichen ihm also so einiges mehr als wahrscheinlich jedem anderen Vertreter der sowjetischen Rockszene&#8230;<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"376\" src=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/stas-namin.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-273\" srcset=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/stas-namin.jpg 250w, https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/stas-namin-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Stas Namin<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Sch\u00e4tzungen waren nicht \u00fcberzogen, runde 7.-8.000 Kids bev\u00f6lkern die Hallen des internationalen Flughafens von Moskau, darunter ein Fernsehteam, sehr viele Fotografen \u2014 und erstaunlich wenig Miliz und anderes Ordnungspersonal. Die \u00f6ffentliche Ordnung ist anscheinend v\u00f6llig \u00fcberrascht worden von dem Ansturm.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Bon Jon, Bon Jon&#8230;<\/em>&#8222;, skandieren die Fans.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann kommt die Band tats\u00e4chlich durch die V.I.P.-Abfertigung, eingekeilt zwischen Betreuern und Security. Nur wenige Anwesende erhaschen einen kurzen Blick auf die Amis, bevor diese dann in einem abgetrennten Bereich des Flughafens verschwinden. Recht verloren wirken die jungen Damen, die den Musikern Blumenstr\u00e4u\u00dfe als Willkommensgru\u00df \u00fcberreichen sollten und nun vor dem Eingang zum V.I.P.-Bereich herumlungern.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wenn schon nicht Bon Jon, dann zumindest Metal Hammer\/ Crash&#8230;&#8220;, mag sich so mancher Fan gedacht haben, als irgendein Schlaumeier, wei\u00df der Teufel wie, uns als Mitarbeiter eben dieser Zeitschrift identifiziert hat. Pl\u00f6tzlich sind wir umkreist von unz\u00e4hligen Kids, die Autogramme verlangen, Poster zur Unterschrift pr\u00e4sentieren, alles \u00fcber Anthrax wissen wollen und \u00fcber U.DO, und ansonsten den Oliver Klemm vermissen, der beim Gros der deutschsprechenden sowjetischen Metal Hammer\/Crash-Leser offenkundig als der Schreiber bekannt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer Versetzung des entsprechenden Herrn ins anheimelnde Sibirien st\u00fcnde damit wohl nichts mehr im Wege.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Fehler erwies sich \u00fcbrigens eine freundlich gemeinte Geste unseres Herausgebers, der einige Exemplare des Metal Hammer\/Crash an die Umstehenden verteilen wollte. Er geht unter in einem Pulk von Fans und wird fast zu Boden gerissen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"278\" height=\"300\" src=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/JW.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-42\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Woraufhin er dann dem Fahrer die T\u00fcte mit den restlichen Magazinen in die Hand dr\u00fcckt und ihn bittet, diese im Wagen zu verstauen. Bis zu diesem allerdings kommt der Fahrer nicht, weil er vorher schon auf halber Strecke von zwei Herren in grauen M\u00e4nteln beiseite genommen und verhaftet wird. Es kostet Sascha eine Viertelstunde beredter \u00dcberzeugungsarbeit, den Chauffeur aus den Klauen des KGB zu befreien.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wir treffen Bon Jon sp\u00e4ter im Center&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>So die Auskunft eines entnervten Betreuers am Flughafen. Da die staatlichen Ordnungskr\u00e4fte vom Ansturm der Fans ebenso \u00fcberrascht wie \u00fcberfordert scheinen, mu\u00df die Band auf Schleichwegen aus dem Flughafengeb\u00e4ude gebracht und zum Hotel verfrachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Apropos Bon Jovi: Die sind nicht etwa zum Spielen ins moskowitische Gro\u00dfreich gekommen, sondern nur und ausschlie\u00dflich zum Zwecke der Promotion. Promotet werden soll ein Festival, das Mitte 1989 in Moskau stattfinden wird, organisiert von der &#8218;Make A Difference Foundation&#8216;. Das schreit nach einer weiterf\u00fchrenden Erkl\u00e4rung. Hier ist sie:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>20 Jahre nach Woodstock&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Grundidee ist simpel. Vor Genau 20 Jahren fand im amerikanischen Bundesstaat New York, im St\u00e4dtchen Woodstock, ein Rockfestival statt, das als eins der bedeutendsten in die Rockgeschichte ebenso eingegangen war wie in die Geschichte der weltweiten Jugendbewegungen. Love &amp; Peace war das Motto, die politischen Aussagen richteten sich gegen den Vietnamkrieg, gegen Rassismus und gegen die \u00fcberholten Konventionen der Elterngesellschaft. Ein anderer Aspekt war die hemmungslose Propaganda f\u00fcr &#8218;bewu\u00dftseinserweitemde&#8216; Drogen. Tone in, tarn on, drop out der Kernslogan, die Aufforderung \u00fcberkommenen gesellschaftskonformen Konventionen den R\u00fccken zu kehren, auszusteigen und eine neue Welt der Jugend aufzubauen \u2014 mit Drogen als unentbehrlichen Hilfsmitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vietnamkrieg ging tats\u00e4chlich zuende, die Gesellschaft blieb im Prinzip wie sie war, nur die Drogen erlebten einen wahren Siegeszug, in West und Ost&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Das &#8222;Woodstock Jubilee&#8220; Festival soll nicht nur an das Ereignis vor 20 Jahren erinnern, sondern auch neue Zeichen setzen f\u00fcr V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, Frieden und eine Jugendkultur, die nach wie vor lebendig ist, weltweit. Vor allem aber soll den Drogen, die einigen der Woodstock-Teilnehmern zum t\u00f6dlichen Verh\u00e4ngnis geworden sind, diesmal eine klare und knallharte Absage erteilt werden. Als Teilnehmer werden derzeit gehandelt: The Scorpions, Bon Jovi, M\u00f6tley Cr\u00fce, Gorki Park und Ozzy Osbourne. Bereits im Fr\u00fchjahr dieses Jahres wird eine LP erscheinen, auf der die angef\u00fchrten Bands Songs covern werden von Musikern oder Bands, die an Drogen-\u00dcberdosen verstorben sind. Im Gespr\u00e4ch sind Titel von The Who (Gorki Park haben bereits &#8218;My Generation&#8216; aufgenommen), Led Zeppelin, The Doors, Janis Joplin, Elvis Presley, Sex Pistols, AC\/DC, The Rolling Stones, Thin Lizzy, Free, T. Rex, Canned Heat, Badfinger und The Yardbirds. Das Festival wird \u00fcbrigens weltweit per Satellit \u00fcbertragen werden. Ob es auch in Deutschland oder anderen L\u00e4ndern der EG auf die B\u00fchnen gebracht werden wird, ist zur Zeit noch unklar&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Bon Jovi ist auch ein Kamerateam von MTV, der Band seit etlichen Tagen auf den Fersen, in Moskau eingefallen. Abends dr\u00e4ngen sich im Restaurant des Musik-Centers G\u00e4ste aus aller Herren L\u00e4nder, Kamerateams von MTV und dem Sowjetischen Fernsehen, Fotografen, diverse Misses (Sibiria, Asia und so fort) und sowjetische Musiker. Die Party endet jedoch bereits gegen Mitternacht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Tag f\u00fchrt Bon Jovi in den Kreml, in die Redaktion der Komsomoletz Prawda, auf den Roten Platz, wo auch die Landestelle des Mathias Rust geb\u00fchrend betrachtet wird, und schlie\u00dflich abends wieder ins Center.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Moskau hat urspr\u00fcnglich zwei Flugh\u00e4fen. Den internationalen Airport und den nationalen. Nun hat der Volksmund die Moskwa-Br\u00fccke zum Roten Platz zum &#8218;Rust Airport&#8216; ernannt. Au\u00dferdem haben die Moskauer endlich auch eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr gefunden, warum der riesige Springbrunnen im ber\u00fchmten Kaufhaus Gum seit einiger Zeit st\u00e4ndig au\u00dfer Betrieb und wasserleer ist: Die Obrigkeit bef\u00fcrchtet, da\u00df hier eines Tages unbemerkt ein deutsches U-Boot auftauchen k\u00f6nnte &#8230;<\/em>&#8222;.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fahrer lacht sich halbtot, als er diese Anekdote erz\u00e4hlt. Sp\u00e4ter dann Studiotermin im sowjetischen TiVi. 250 Millionen Zuschauer werden diese Sendung sp\u00e4ter sehen, eine erschreckende Zahl, selbst f\u00fcr Bon Jovi, obwohl die aus ihrer US-amerikanischen Heimat schon so einiges gewohnt sind. Das Studio ist ausgestattet wie eine gutb\u00fcrgerliche Wohnung, mit K\u00fcche, Wohnzimmer und allem drum und dran. In der K\u00fcche wird Borschtsch serviert, das russische Nationalgericht, eine Kohlsuppe mit Fleischeinlage und dicken wei\u00dfen Fettaugen, die wie Eisinseln auf der Oberfl\u00e4che schwimmen. Nicht unbedingt jedermanns Geschmack, aber zumindest nahrhaft. Vor den Kameras wenig sp\u00e4ter Bon Jovi, Doug McGhee, Kramer-komplett, Gorki Park und der Polygram-Pr\u00e4sident, der bei dieser Gelegenheit nicht nur bekanntmacht, da\u00df er Gorki Park gesigned hat und phantastische Zukunftschancen f\u00fcr die Band sieht (warum sonst h\u00e4tte er die Parks auch signen sollen???), sondern da\u00df er dar\u00fcberhinaus noch eine Vereinbarung mit Melodija getroffen hat, die Lizensierungen von Ost nach West und umgekehrt endlich m\u00f6glich macht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Lieber Herr Bongiovi, haben sie eine Message f\u00fcr unsere Zuschauer???<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Na klar, ich bin der festen \u00dcberzeugung, da\u00df die Kids \u00fcberall in der Welt gleich sind. Rock&#8217;n&#8217;Roll ist ihre Sprache, die von China bis Brasilien \u00fcberall verstanden wird und die sie einander n\u00e4herbringt. Als Rockmusiker sind wir gleichzeitig Botschafter des Friedens und der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung.<\/em>&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Na also. Gorki Park erz\u00e4hlen noch ein bi\u00dfchen \u00fcber New York und \u00fcber ihre Freundschaft mit den Jungs von Bon Jovi, und das war&#8217;s dann.<\/p>\n\n\n\n<h2 data-wp-context---core-fit-text=\"core\/fit-text::{&quot;fontSize&quot;:&quot;&quot;}\" data-wp-init---core-fit-text=\"core\/fit-text::callbacks.init\" data-wp-interactive data-wp-style--font-size=\"core\/fit-text::context.fontSize\" class=\"wp-block-heading has-fit-text\">Party<\/h2>\n\n\n\n<p>It&#8217;s Party-Time.. Jede Menge M\u00e4dchen, Musiker und Offizielle bev\u00f6lkern das Musik-Center. Ein musikalischer Leckerbissen ist angek\u00fcndigt. Vorerst jedoch wird zun\u00e4chst einmal ausgiebig dem heiligen W\u00e4sserchen (Wodka) zugesprochen, und Sekt und andere Alkoholika flie\u00dfen in Str\u00f6men. Entsprechend entwickelt sich die Stimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz Wagemutige haben zudem die M\u00f6glichkeit, eine Fahrt im Pferdeschlitten entlang der Moskwa zu unternehmen. Bei Minus 20 Grad Celsius nicht gerade f\u00fcr jedermann die angenehmste Vorstellung. Dann schon lieber der kurze Fu\u00dfmarsch durch Eis und Schnee hinauf in das kleine Studio, in dem Gorki Park sich live pr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem ich die Band das letzte Mal gesehen habe, ist sie noch um einiges besser geworden. Was nicht weiter verwundert, wenn man bedenkt, da\u00df die Jungs sich f\u00fcr einige Monate in den USA aufgehalten haben, in New Jersey, wo selbst sie intensiv an sich, an ihren Englischkenntnissen und an ihrem Material gebastelt haben. Mit einigen kleinen Hilfestellungen von Jon Bon Jovi und Ritchie Sambora \u00fcbrigens. Aus New York hat Gorki Park einiges an neuem Demo-Material mit an die heimische Moskwa gebracht, darunter auch ihren Beitrag zum &#8218;Make A Difference&#8216;-Sampler, das Who-Cover &#8218;My Generation&#8216;, ein Titel, der f\u00fcr die Jugend der UdSSR als Hymne eine Bedeutung erlangen k\u00f6nnte, die er im Westen schon lange verloren hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"160\" src=\"https:\/\/muzikquest.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Gorky-Park-1988.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-274\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gorki Park 1988<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Set zeigt, da\u00df Gorki Park nicht umsonst speziell in den USA so hoch gehandelt wird, wie das zur Zeit der Fall ist. Anders als Kruiz oder Master steht Gorki Park f\u00fcr eher kommerziellen Hardrock mit russischen Einfl\u00fcssen, ist aber zugleich eine Band, die ein ungeheures Feeling f\u00fcr gute Melodien und Riffs hat, technisch nahezu perfekt ist, einen brillanten S\u00e4nger hat und doch voller ungez\u00fcgelter Power steckt. Vor allem &#8218;Hit Me&#8220;, ein Song, der leichte Blues- und Souleinfl\u00fcsse verarbeitet, hat das Zeug zu einem Riesenhit all over the world.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Band kommt an, und entsprechend ist die Stimmung im ebenso kleinen wie \u00fcberheizten Studio. Eine Steigerung scheint kaum noch m\u00f6glich zu sein, wird jedoch wahr, als unversehens Jon Bon Jovi, Ritchie Sambora und ihre Bandkollegen ebenfalls auf der kleinen B\u00fchne auftauchen und alle zusammen zu einer phantastischen Session ansetzen. Blues steht auf dem Programm und alte Rockstandards. Was auch immer, es gef\u00e4llt allen Beteiligten ebenso wie den einfach nur Zuh\u00f6renden. Entsprechend aufgedreht rutscht und schlindert, perfekte Gelegenheit, mal eben eine der jungen Damen unterzuhaken, die bunte Gesellschaft schlie\u00dflich zur\u00fcck ins Center, quer durch die Arena mit ihrer riesigen B\u00fchne und ihren wie in einem antiken Amphitheater hochgezogenen Sitzreihen, die Platz bieten f\u00fcr ca. 12.000 Zuschauer.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Hier veranstalten wir im Sommer riesige Konzerte f\u00fcr die Moskauer Kids. Nach den Konzerten geht&#8217;s dann ab auf Flu\u00dfschiffe (die Arena liegt direkt am Flu\u00dfufer), auf denen wir die ganze Nacht durchfeiern k\u00f6nnen<\/em>&#8222;, beschreibt Stas Namin und f\u00fcgt hinzu: &#8222;<em>N\u00e4chsten Sommer mu\u00dft Du unbedingt mal zu einem der Festivals kommen<\/em>.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Wort drauf! <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>&#8222;Ihr Deutschen habt mir wirklich einige Probleme bereitet.&#8220;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>David Bryan Rashbaum, bei Bon Jovi verantwortlich f\u00fcr schwarze und wei\u00dfe Tasten, l\u00e4\u00dft kurz ab von seinem Glas und erkl\u00e4rt weiter:&#8220; <em>Ich habe Klassik studiert, Beethoven genauso gespielt wie Bach und Mozart. Und dann bekomme ich eine deutsche Notation in die H\u00e4nde und finde da eine Note, von der ich vorher noch nie geh\u00f6rt hatte. Ein &#8218;H&#8216; als Notenbezeichnung. Mein Gott, ich hab&#8216; &#8217;ne ganze Zeit gebraucht, bis ich gemerkt habe, da\u00df das nichts anderes war als unser gutes altes amerikanisches &#8218;B&#8216;<\/em>.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ritchie Sambora hat andere Probleme mit dem Deutschtum. Ein lautes Schmutz! ert\u00f6nt wodkagetr\u00e4nkt aus seiner Ecke. Und noch einmal. Und ein weiteres Mal. Sein Lieblingswort ist ganz klar &#8218;Schmutz&#8216;.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Sag mal, was bedeutet das eigentlich, dieses &#8218;Schmutz<\/em>&#8218;?&#8220;, fragt dann sp\u00e4ter nach.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Ach so, Dreck, Mist und so &#8230; naja, es klingt auf jeden Fall gut<\/em>.&#8220;,.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Schmutz!<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>Nebenbei bemerkt: Mischt nie Wodka mit Sekt! Die Wirkung kommt, mit leichter Zeitverz\u00f6gerung, der einer Atombombe gleich!<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Schmutz!<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Wir werden im Dezember einige gro\u00dfe Konzerte in Moskau spielen. Anschlie\u00dfend geht&#8217;s zur\u00fcck nach New York, wo die Plattenfirma einen Pr\u00e4sentationsgig f\u00fcr uns arrangiert hat, als Vorprogramm eines Major-Actes und vor etlichen tausend Leuten. Das wird am 21. Januar sein..<\/em>.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Originalton Gorki Park, bevor sich Alex Belov und ein Bandkollege dann mit einer jungen Ballett\u00e4nzerin aus Leningrad aus dem Staub machen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Russische Frauen sind extrem anspruchsvoll, die schafft ein Mann alleine nicht. Deshalb teilen wir uns den Spa\u00df meist zu Dritt&#8230;<\/em>&#8220; erkl\u00e4rt ein v\u00f6llig \u00fcbern\u00e4chtigter Gorki Park-Gitarrist am n\u00e4chsten Morgen. Womit wir schon bei der n\u00e4chsten gro\u00dfangelegten Pressekonferenz w\u00e4ren. Diesmal ist die schreibende sowjetische Presse geladen. Kramer-Guitars erl\u00e4utern noch einmal ausf\u00fchrlich ihre Pl\u00e4ne, in der UdSSR eine Gitarrenfabrik aufzubauen und solcherma\u00dfen die Versorgung sowjetischer Musiker mit akzeptablen Gitarren zu akzeptablen Preisen sicherzustellen. Angepeilt ist ein Joint-Venture mit Stas Namins Musik-Center&#8230; Zur Erkl\u00e4rung: Derzeit mu\u00df ein sowjetischer Gitarrist noch bis zu 20.000 Rubel f\u00fcr eine professionelle E-Gitarre mit westlichem Standard hinbl\u00e4ttern. Das entspricht guten 60.000 Mark oder drei bis f\u00fcnf Jahresgeh\u00e4ltern!!! Kein Wunder, dass die Kramer-Pl\u00e4ne in der Szene Begeisterung ausl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder unterbrochen von kritischen Fragestellern, erkl\u00e4ren anschlie\u00dfend Doug McGhee und Mister Polygram noch einmal detailliert, was sie sich so alles f\u00fcr 1989 vorgenommen haben, Jon Bon Jovi gibt letzte Statements und dann ist es auch schon soweit, Bon Jovi und das MTV-Kamerateam brechen auf in Richtung Flughafen und Germany, wo sie einige Tage sp\u00e4ter zusammen mir Craaft und Lita Ford auf unseren B\u00fchnen agieren werden. Wir bleiben noch bis zum n\u00e4chsten Morgen, bis es dann auch f\u00fcr uns hei\u00dft: &#8222;Doswidanja Moskwa.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wer wei\u00df, vielleicht fliegen wir ja bald mal wieder hin, in die UdSSR. Schlie\u00dflich gibt&#8217;s da bis heute noch keine Musikzeitung&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Und tats\u00e4chlich, im Sommer 1989 fand ich mich erneut in Moskau wieder. Und den Metal Hammer gab&#8217;s dann irgendwann auch in russsischer Sprache. Aber das sind zwei andere Geschichten, die ich sp\u00e4ter noch erz\u00e4hlen werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong>C 1988\/2026 Edgar Kl\u00fcsener, Zuerst erschienen in Metal Hammer 1\/1989<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Wir schreiben das Jahr 1988. In der Sowjetunion hatten die Reformer um Mikhail Gorbatschow das Sagen und zum ersten Mal im ausgehenden 20. Jahrhundert \u00f6ffnete sich das riesige eurasische Reich gen Westen. Der Kalte Krieg wich milderer Konfrontation, und der &#8218;Wind of Change&#8216;, der durch Europa fegte, war auch an der Moskwa deutlich f\u00fchlbar. 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